
Der Traum von Jan-Lennard Struff geht weiter. Mit 36 Jahren erlebt der Sauerländer in Wimbledon die erfolgreichsten zwei Wochen seiner Karriere und steht erstmals überhaupt in einem Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Nun wartet allerdings die wohl schwerstmögliche Aufgabe: Jannik Sinner. Der Weltranglistenerste zählt weiterhin zum engsten Favoritenkreis auf den Titel in London und geht auch in dieses Duell als klarer Favorit.
Für Struff dürfte das Match auf dem Centre Court dennoch ein ganz besonderer Moment werden. Die ganz große Bühne in Wimbledon hat ihren eigenen Zauber, doch der Routinier bringt inzwischen genügend Erfahrung mit, um sich davon nicht beeindrucken zu lassen.
Vielmehr kann der Deutsche völlig befreit aufspielen – schließlich hat er nach seinem sensationellen Turnierverlauf absolut nichts mehr zu verlieren.
Ausgangslage: Struff lebt seinen Wimbledon-Traum
Dass Jan-Lennard Struff überhaupt noch einmal ein derartiges Grand-Slam-Ergebnis gelingt, hätten vor Turnierbeginn wohl nur die wenigsten Experten erwartet. Der Warsteiner hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Verletzungen und Formschwankungen zu kämpfen. Umso beeindruckender ist der Lauf, den der Deutsche nun in Wimbledon hingelegt hat.
Bereits zum Auftakt musste Struff gegen Sebastian Baez über die volle Distanz gehen. Nach einem intensiven Fünf-Satz-Krimi setzte sich der Deutsche durch und bewies dabei einmal mehr seine enorme Moral. Noch dramatischer wurde es in Runde zwei gegen Brandon Nakashima, als erneut fünf Sätze nötig waren.
Spätestens in der dritten Runde sorgte Struff dann für eine der größten Überraschungen des gesamten Turniers. Gegen den klar favorisierten Daniil Medvedev spielte der Deutsche phasenweise Weltklasse-Tennis und gewann überraschend glatt in drei Sätzen. Besonders bemerkenswert: In jedem einzelnen Satz lag Struff zunächst mit einem Break zurück und kämpfte sich jedes Mal eindrucksvoll zurück.
Das nächste Drama folgte schließlich im Achtelfinale gegen Hubert Hurkacz. Struff lag bereits mit 0:2 nach Sätzen hinten, steckte jedoch nie auf. Mit großem Kampfgeist gewann er Satz drei und vier, ehe Hurkacz im entscheidenden fünften Durchgang verletzungsbedingt beim Stand von 2:4 aus seiner Sicht aufgeben musste.
Der größte Gegner für Struff könnte nun allerdings die eigene Belastung sein. Drei Fünf-Satz-Matches innerhalb weniger Tage gehen auch an einem bestens trainierten Profi nicht spurlos vorbei.
Sinner weiterhin auf Titelkurs
Auch wenn Jannik Sinner bislang nicht ganz so dominant auftrat wie in manchen anderen Turnieren, gehört der Italiener weiterhin zu den absoluten Topfavoriten auf den Wimbledon-Titel.
Interessanterweise musste auch Sinner direkt in Runde eins Schwerstarbeit leisten. Gegen Miomir Kecmanovic entwickelte sich ebenfalls ein Fünf-Satz-Match, in dem der Weltranglistenerste seine Klasse letztlich unter Beweis stellte.
Danach verlief das Turnier für den Italiener deutlich entspannter. Siege gegen Nuno Borges, Jenson Brooksby und Shintaro Mochizuki brachten Sinner relativ souverän ins Viertelfinale, ohne dass er dauerhaft an seine Grenzen gehen musste.
Vor allem seine Grundschläge gehören weiterhin zum Besten, was die ATP-Tour aktuell zu bieten hat. Zudem bewegt sich Sinner trotz seiner Körpergröße außergewöhnlich gut auf Rasen und verbessert sein Spiel auf diesem Belag seit Jahren kontinuierlich.
Ganz fehlerfrei wirkt der Italiener allerdings nicht. Immer wieder erlaubt er seinen Gegnern kleinere Schwächephasen, die ein offensiv agierender Spieler wie Struff durchaus nutzen könnte.
Der direkte Vergleich macht Hoffnung für Struff
Die Statistik spricht zunächst eindeutig für den Favoriten. Bislang standen sich Jan-Lennard Struff und Jannik Sinner dreimal gegenüber – dreimal gewann der Italiener.
Besonders interessant ist allerdings das bislang letzte Duell. Dieses fand im Juni 2024 beim Rasenturnier in Halle statt und entwickelte sich zu einem echten Krimi.
Sinner gewann zwar mit 6:2, 6:7 und 7:6, musste dafür aber bis an seine Grenzen gehen. Vor allem Struffs druckvolles Aufschlagspiel bereitete dem Italiener enorme Probleme. Im entscheidenden Tiebreak des dritten Satzes setzte sich Sinner letztlich knapp durch.
Genau dieses Match dürfte Struff zusätzliches Selbstvertrauen geben. Er weiß inzwischen, dass er Sinner auf Rasen durchaus vor größere Probleme stellen kann als viele andere Spieler.
Wettquoten: Sinner klar vorne
Die Buchmacher sehen die Rollen erwartungsgemäß eindeutig verteilt.
- Sieg Jannik Sinner: ca. 1,15
- Sieg Jan-Lennard Struff: ca. 5,50 bis 6,50
Damit ist ein Überraschungserfolg des Deutschen aus Sicht der Wettanbieter eher unwahrscheinlich.
Interessanter werden deshalb Spezialwetten. Da Struff über einen enorm starken Aufschlag verfügt und auf Rasen generell besonders gefährlich ist, erscheint ein komplett einseitiges Match keineswegs garantiert. Zudem dürfte Sinner den Deutschen nach dessen bisherigen Turnierleistungen keinesfalls unterschätzen.
Gerade weil Struff frei aufspielen kann und keinerlei Druck verspürt, ist ihm durchaus zuzutrauen, mindestens einen Satz lange auf Augenhöhe mitzuhalten.
Prognose & Wett-Tipp: Struff gewinnt mindestens einen Satz
Natürlich bleibt Jannik Sinner der klare Favorit. Der Italiener verfügt insgesamt über das komplettere Spiel, bewegt sich hervorragend und bringt deutlich mehr Konstanz mit. Über fünf Sätze hinweg spricht nahezu alles dafür, dass sich der Weltranglistenerste durchsetzen wird.
Dennoch gibt es einige Argumente, die für einen spannenderen Spielverlauf sprechen. Struff serviert im bisherigen Turnier herausragend, spielt extrem mutig und hat bereits gegen Medvedev gezeigt, welches Niveau er auf Rasen erreichen kann. Hinzu kommt das enge Match von Halle 2024, in dem Sinner bereits große Schwierigkeiten hatte.
Der größte Unsicherheitsfaktor bleibt die körperliche Verfassung des Deutschen nach den vielen langen Matches. Sollte Struff jedoch einigermaßen frisch auf den Platz kommen, besitzt er durchaus die Qualität, zumindest einen Satz für sich zu entscheiden.
- Wett-Tipp: Jan-Lennard Struff gewinnt mindestens einen Satz
- Empfohlene Quote: ca. 1,90
Diese Wette bietet ein deutlich besseres Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag als ein einfacher Sieg von Sinner. Der Italiener dürfte sich am Ende zwar durchsetzen, doch Struffs starke Form, sein gefährlicher Aufschlag und die Erinnerung an das knappe Rasenduell in Halle sprechen dafür, dass der Außenseiter den Favoriten zumindest phasenweise ernsthaft ins Wanken bringen kann.
