Bundesliga-Saison 2026/2027: Das sind die neuen Regeln!

Simon Schneider
geprüft von Lukas Stratmann | 4 Min. Lesezeit
Welche neuen Regeln – speziell zum Thema Zeitspiel – gelten in der neuen Bundesliga-Saison?

Die Bundesliga startet mit mehreren Regeländerungen in die Saison 2026/27. Viele davon kennen Fans bereits von der Weltmeisterschaft 2026: Im Mittelpunkt steht vor allem der Kampf gegen Zeitspiel und unnötig lange Unterbrechungen. Schiedsrichter bekommen dafür deutlich konkretere Instrumente an die Hand.

Countdowns bei Abstößen und Einwürfen, ein festes Zeitlimit bei Auswechslungen und eine einminütige Zwangspause nach bestimmten Verletzungsunterbrechungen sollen dafür sorgen, dass der Ball schneller wieder rollt. Auch beim Video-Assistenten gibt es Anpassungen.

Countdown bei Abstößen und Einwürfen

Die auffälligste Neuerung betrifft ruhende Spielfortsetzungen. Stellt der Schiedsrichter fest, dass eine Mannschaft einen Abstoß oder Einwurf absichtlich verzögert, kann er einen sichtbaren Fünf-Sekunden-Countdown starten. Dabei zählt der Unparteiische mit den Fingern der erhobenen Hand herunter. Ist der Ball nach Ablauf der fünf Sekunden noch nicht im Spiel, wechselt der Ballbesitz.

Bei einem verzögerten Einwurf erhält die gegnerische Mannschaft den Einwurf an derselben Stelle. Bei einem zu lange hinausgezögerten Abstoß gibt es sogar Eckball für den Gegner. Wichtig ist: Die fünf Sekunden laufen nicht automatisch bei jedem Einwurf oder Abstoß.

Der Countdown wird eingesetzt, wenn der Schiedsrichter eine bewusste Verzögerung erkennt. Er darf ihn auch beginnen, bevor der ausführende Spieler den Ball tatsächlich in der Hand oder am Fuß hat – etwa wenn der Ball demonstrativ langsam geholt oder beim Abstoß unnötig lange platziert wird.

Zehn Sekunden für die Auswechslung

Auch der klassische Zeitgewinn bei späten Wechseln soll schwieriger werden. Ein ausgewechselter Spieler muss das Feld grundsätzlich innerhalb von zehn Sekunden verlassen und dabei den nächstgelegenen Spielfeldrand nutzen, sofern der Schiedsrichter nichts anderes anordnet. Auch hier kann der Referee die letzten fünf Sekunden sichtbar herunterzählen.

Wird das Limit überschritten, hat das eine ungewöhnliche Konsequenz: Der neue Spieler darf nicht sofort auf den Platz. Die Partie wird zunächst fortgesetzt, und der Einwechselspieler darf erst bei der ersten Spielunterbrechung nach Ablauf einer Minute ins Spiel kommen.

Das betreffende Team spielt also vorübergehend in Unterzahl. Ausnahmen sind möglich, wenn ein Spieler beispielsweise wegen einer Verletzung erkennbar nicht schnell genug vom Feld kommen kann.

Eine Minute Pause nach Behandlung

Noch deutlicher könnte sich die neue Regel bei Verletzungsunterbrechungen bemerkbar machen. Wird das Spiel wegen der tatsächlichen oder vermuteten Verletzung eines Feldspielers unterbrochen oder kommt medizinisches Personal auf den Platz, muss der betroffene Spieler das Feld in der Regel verlassen.

Nach der Spielfortsetzung beginnt dann eine einminütige Wartezeit, bevor er mit Zustimmung des Schiedsrichters zurückkehren darf.

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Die Regel soll zwei Ziele verbinden: Einerseits erhält medizinisches Personal mehr Zeit für eine Untersuchung außerhalb des Spielfelds. Andererseits soll verhindert werden, dass vermeintliche Verletzungen gezielt genutzt werden, um den Spielfluss zu bremsen. Es gibt allerdings wichtige Ausnahmen.

Torhüter müssen nach einer Behandlung nicht grundsätzlich eine Minute draußen bleiben. Ausnahmen gelten unter anderem auch bei schweren Verletzungen oder wenn ein Spieler durch ein verwarnungs- oder feldverweiswürdiges Foul verletzt wurde.

Acht Sekunden für den Torwart bleiben der Maßstab

Die neue Zeitspiel-Linie knüpft an die bereits seit der Saison 2025/26 geltende Acht-Sekunden-Regel für Torhüter an. Ein Keeper darf den Ball höchstens acht Sekunden mit Hand oder Arm kontrollieren.

Die letzten fünf Sekunden zeigt der Schiedsrichter per Countdown an. Hält der Torwart den Ball danach weiter fest, bekommt der Gegner einen Eckstoß. Diese Regel ist also nicht erst 2026/27 neu, bildet aber erkennbar das Vorbild für die jetzt ausgeweiteten Countdowns bei anderen Spielfortsetzungen.

Mehr Möglichkeiten für den VAR

Auch das VAR-Protokoll wird erweitert. Der Video-Assistent darf künftig bei einer eindeutig falschen zweiten Gelben Karte eingreifen, wenn diese zu Gelb-Rot führt.

Ebenfalls korrigiert werden kann eine Verwechslung, wenn der Schiedsrichter den falschen Spieler bestraft. Zudem kann der VAR unter bestimmten Voraussetzungen Vergehen vor der Ausführung eines Eck- oder Freistoßes berücksichtigen, wenn diese unmittelbar für ein Tor, einen Strafstoß oder eine persönliche Strafe relevant werden.

Eine weitere Anpassung betrifft die Vorteilsregel. Fällt nach der Vereitelung einer offensichtlichen Torchance trotz des Vergehens noch ein Tor, wird für das ursprüngliche Vergehen nicht zusätzlich Gelb gezeigt. Außerdem kann der Schiedsrichter nun auch bei bestimmten Fehlern bei der Spielfortsetzung – etwa einem falschen Einwurfort – Vorteil laufen lassen, anstatt eine aussichtsreiche Aktion zurückzupfeifen.

Nicht jede bei der WM angewandte Neuerung kommt allerdings in die Bundesliga. Eckstoßentscheidungen selbst werden in Deutschland weiterhin nicht vom VAR überprüft. Auch das Bedecken des Mundes in einer konfrontativen Situation führt nicht automatisch zu Rot, ebenso wenig das Verlassen des Spielfelds aus Protest gegen eine Schiedsrichterentscheidung.

Das Ziel ist klar: mehr Netto-Spielzeit

Die Richtung der neuen Regeln ist eindeutig. Statt Zeitspiel lediglich über großzügige Nachspielzeiten auszugleichen, soll es schon in der jeweiligen Situation erschwert werden. Gerade in engen Partien dürften die Countdowns deshalb schnell sichtbar werden. Für Spieler und Trainer bedeutet das weniger Spielraum für taktische Verzögerungen – und für die Zuschauer im besten Fall mehr Fußball in 90 Minuten.

Simon Schneider - Chefredakteur & News-Experte
Simon Schneider Simon Schneider ist Chefredakteur und News-Experte bei Sportwetten24. Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus verantwortet er die redaktionelle Qualität des gesamten Portals. Simons Stärke liegt in der sportartübergreifenden Analyse: Von Fußball und Esports über Tennis und MMA bis zu Wintersport und Politik-Wetten deckt er das breiteste Themenspektrum im Team ab. Intern überzeugt er regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. Er hält einen B.A. in Journalistik von der Universität Leipzig und arbeitet von dort aus.
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