Deutschland zählt bei der WM 2026 zum erweiterten Favoritenkreis — nach dem überzeugenden 7:1 gegen Curaçao zum Auftakt, aber noch nicht zum engsten Titelkandidaten-Zirkel. Wie weit traut die DFB-Elf um Bundestrainer Julian Nagelsmann sich selbst? Ein Blick auf Titelchancen, Turnierverlauf, Gruppe E und das interne Torschützenrennen.
Wie die Buchmacher die Titelchance bewerten
Nach den Vorrunden-Aus bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 und dem EM-Achtelfinal-Aus 2021 war das EM-Viertelfinale 2024 immerhin wieder ein achtbares Ergebnis. Entsprechend gespalten ist die Stimmung: Die einen erwarten ein frühes Aus, die anderen halten mehr für möglich.
Die Buchmacher bewerten die Titelchance vorsichtig. Die Quote für den WM-Titel bewegt sich zwischen 13,0 und 15,0, was einer eingepreisten Wahrscheinlichkeit von rund sieben Prozent entspricht — im „Wer wird Weltmeister“-Ranking bedeutet das aktuell etwa Platz 7. Höher eingestuft werden Frankreich, Spanien und England sowie Portugal, Argentinien und Brasilien.
Quoten-Stand: 20.06.2026. Angaben ohne Gewähr, Änderungen im Turnierverlauf vorbehalten. 18+.
Was die Datenmodelle sagen
Auch die statistischen Modelle ordnen Deutschland knapp hinter den Großen ein. Opta beziffert die deutsche Titelchance im Vorfeld mit rund sieben Prozent und führt das DFB-Team damit etwa an fünfter Stelle. Angeführt wird die Analyse von Spanien (rund 17 Prozent), gefolgt von Frankreich (etwa 14 Prozent) und England (knapp 12 Prozent); auch Argentinien liegt in den Top fünf.
Solche Modellwerte sind Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten — und kursierende, auf zwei Nachkommastellen genaue „KI-Prognosen“ sollte man mit Vorsicht genießen. Die Größenordnung ist die Botschaft: Deutschland gehört zum erweiterten Kreis, nicht zur Spitze. Damit überhaupt ein tiefer Lauf möglich wird, muss zunächst die Vorrunde überstanden werden — was bei den letzten beiden Weltmeisterschaften bekanntlich misslang. Immerhin kommen auch die acht besten Gruppendritten weiter.
Der Weg durch das Turnier
Die Turnierquoten zeichnen ein grundsätzlich positives Bild. Das Achtelfinale wird mit einer Quote um 1,40 bewertet (rund 71 Prozent), für das Viertelfinale steigt sie auf etwa 2,50 (rund 40 Prozent). Das Halbfinale liegt bei einer Quote um 4,30 (rund 25 Prozent), der Finaleinzug am 19. Juli bei rund 7,00 (etwa 14 Prozent).
Unterm Strich: Das Achtelfinale gilt als sehr wahrscheinlich, das Viertelfinale als realistisches Ziel, der Halbfinaleinzug als anspruchsvolle, aber keineswegs unrealistische Option. Welcher konkrete K.-o.-Pfad sich ergibt, hängt allerdings stark von der Endplatzierung in Gruppe E ab — dazu haben wir die Szenarien in einem eigenen Beitrag aufgeschlüsselt.
Gruppe E: Deutschland als klarer Favorit
Nach dem 7:1 gegen Curaçao gilt die DFB-Elf als deutlicher Favorit auf den Gruppensieg — die Quote dafür liegt sehr niedrig (im Bereich um 1,27). Hinter Deutschland hat sich die Lage vor dem zweiten Spieltag verschoben: Die Kombination „Deutschland vor der Elfenbeinküste“ gilt inzwischen als wahrscheinlichstes Szenario (Quote um 1,40), während „Deutschland vor Ecuador“ mit Quoten um 11,0 bis 12,0 deutlich seltener erwartet wird.
Die hohen Quoten für Konstellationen, in denen die Elfenbeinküste oder Ecuador vor Deutschland landen, unterstreichen die Favoritenrolle. Am ehesten käme noch „1. Elfenbeinküste, 2. Deutschland“ infrage (Quote um 5,30 bis 5,60). Entscheidend wird das direkte Duell mit der Elfenbeinküste am 20. Juni in Toronto, ehe zum Abschluss am 25. Juni Ecuador in New Jersey wartet.
Wer wird bester deutscher Torschütze?
Für eine erfolgreiche WM braucht es Tore — und im internen DFB-Torschützenrennen gilt nach dem Auftakt Kai Havertz als Favorit. Mit seinem Doppelpack gegen Curaçao hat der Arsenal-Profi die niedrigste Quote (im Bereich um 1,54). Als größter Verfolger gilt Deniz Undav, der von der Bank ebenfalls traf.
Auch den Kreativspielern Jamal Musiala und Florian Wirtz werden Chancen eingeräumt, Felix Nmecha und Nick Woltemade gelten als Außenseiter — Woltemade ist im Sturmzentrum hinter Havertz und Undav nur die Nummer drei. Leroy Sané wird in den Quoten für den internen Torjäger-Titel ebenfalls nur als Außenseiter geführt.
Was die Fußball-Ikonen sagen
Die Einschätzungen prominenter Stimmen fallen gemischt aus. Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm gibt sich skeptisch: Gute Spieler in Topvereinen seien das eine, doch als Mannschaft sei Deutschland über die letzten Turniere nicht erkennbar gewachsen — die Favoriten seien andere. Ähnlich nüchtern Thomas Müller, der die Qualität betont, jede Topnation an einem Tag schlagen zu können, aber die nötige Konstanz vermisst, um selbst schwer schlagbar zu sein.
Auch Bastian Schweinsteiger zählt die DFB-Elf nicht zu den großen Titelanwärtern, hält ein Halbfinale aber für einen schönen Erfolg „nach all den Jahren“. Optimistischer klingt Jürgen Klopp: Das Talent sei da, entscheidend werde der gemeinsame Spirit — er sei zuversichtlich, warne aber, dass auch die anderen Nationen stark besetzt seien.
Was wir nicht empfehlen
So positiv das Gesamtbild — ein vorschneller Langzeit-Tipp auf eine tiefe Turnierrunde verdient einen nüchternen Blick. Das 7:1 fiel gegen den kleinsten WM-Teilnehmer der Geschichte und endete erst nach einem zwischenzeitlichen 1:1 deutlich; die echten Gradmesser sind Elfenbeinküste und Ecuador. Wer auf den Titel setzt, sollte die implizite Wahrscheinlichkeit als das lesen, was sie ist: rund sieben Prozent sind eine klare Außenseiterquote, kein Value-Selbstläufer. Und Wetten auf Konstellationen wie „Ecuador oder Elfenbeinküste vor Deutschland“ sind zwar quotenstark, aber nach aktueller Lage wenig wahrscheinlich — hohe Quote heißt hier vor allem hohes Risiko, nicht automatisch Value.
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