Null Punkte, null Tore, zwölf Gegentore – viel brutaler kann ein Saisonstart kaum ausfallen. Beim Hamburger SV herrscht nach drei Bundesliga-Spieltagen Alarmstimmung, und ausgerechnet jetzt kommt mit dem 1. FC Köln ein Gegner in den Volkspark, der zwar selbst noch nicht konstant spielt, aber immerhin schon vier Punkte gesammelt hat. Am Samstag (19. September 2026) geht es für den HSV deshalb um weit mehr als nur den ersten Zähler.
Trainer Merlin Polzin braucht dringend eine Reaktion. Die nächste Niederlage würde die Diskussion um seine Zukunft zwangsläufig verschärfen.
Ausgangslage: Für den HSV wird es schon früh ungemütlich
Anstoß im Volksparkstadion ist am Samstag um 15:30 Uhr. Die Buchmacher bewerten das Duell ausgeglichen: Der HSV wird ungefähr bei 2,45 bis 2,60 geführt, Köln bei etwa 2,60 bis 2,70, das Remis liegt um 3,60. Das zeigt, wie stark der Heimvorteil trotz der bisherigen Hamburger Vorstellungen noch eingepreist wird.
Sportlich ist die Lage düsterer. Zum Auftakt verlor Hamburg 0:2 in Dortmund, danach folgte zuhause ein 0:5 gegen Mainz. Am vergangenen Sonntag setzte es bei RB Leipzig erneut ein 0:5. Damit ist der HSV nach drei Spieltagen punkt- und torlos und hat zwölf Gegentreffer kassiert.
Der Druck auf Polzin wächst entsprechend. Noch vor wenigen Tagen hatte die sportliche Führung öffentlich betont, langfristig mit ihm weiterarbeiten zu wollen. Nach der zweiten 0:5-Niederlage in Serie dürfte eine weitere Pleite gegen Köln die Debatte trotzdem verändern.
Formcheck Hamburger SV: Vorne harmlos, hinten viel zu leicht zu knacken
Das größte Problem ist nicht allein die Zahl der Gegentore, sondern die Art und Weise, wie sie fallen.
Gegen Mainz brach der HSV nach Rückschlägen komplett auseinander. Auch in Leipzig gab es kurze Phasen, in denen Hamburg ordentlich nach vorne spielte und zu Chancen kam. Sobald der Gegner jedoch Tempo aufnahm, fehlten Kompaktheit, Absicherung und Widerstandskraft. Innerhalb weniger Minuten kann ein noch offenes Spiel kippen.

Noch bedenklicher ist, dass offensiv weiterhin die Null steht. Gegen Dortmund hatte Hamburg nach der Pause wenigstens einige Ansätze, gegen Mainz und Leipzig fehlte über weite Strecken die Durchschlagskraft.
Dabei wurde der Kader im Sommer verstärkt. Spieler wie Patson Daka oder Fábio Vieira sollen mehr Qualität im letzten Drittel bringen. Bislang ist davon in den Ergebnissen nichts zu sehen.
Gegen Köln dürfte der HSV offensiver auftreten müssen. Ein weiteres vorsichtiges Heimspiel ohne eigenes Tor wäre dem Publikum schwer zu vermitteln. Genau darin liegt auch die Gefahr: Je mehr Hamburg öffnen muss, desto größer werden die Räume für den Gegner.
Formcheck 1. FC Köln: Noch wechselhaft, aber klar stabiler
Köln ist ebenfalls noch auf der Suche nach Konstanz, steht im Vergleich zum HSV aber besser da.
Zum Auftakt gewann der FC ein wildes Heimspiel gegen Hoffenheim mit 3:2. Thijs Dallinga traf als Joker doppelt und drehte die Partie in der Schlussphase. Danach folgte beim VfB Stuttgart ein Rückschlag: Köln war beim 1:4 klar unterlegen und geriet defensiv unter Druck.
Am vergangenen Samstag kam die Mannschaft von René Wagner gegen Werder Bremen nicht über ein 1:1 hinaus. Linton Maina brachte Köln früh in Führung, danach wurde der FC jedoch zu passiv und kassierte durch Niclas Füllkrug den verdienten Ausgleich.
Vier Punkte aus drei Spielen sind kein Traumstart, aber eine brauchbare Basis. Vor allem hat Köln schon gezeigt, dass es nach Rückständen Spiele drehen und offensiv Druck entwickeln kann. Gegen einen derart verunsicherten HSV ist das ein wichtiges Argument.
Direkter Vergleich: Köln mit guten Erinnerungen
In der vergangenen Saison gewann Köln sein Heimspiel gegen den HSV klar mit 4:1, das Rückspiel im Volkspark endete 1:1.
Aktuell spielt die Vergangenheit aber nur eine Nebenrolle. Entscheidend ist der psychologische Zustand beider Teams – und dort besitzt Köln Vorteile.
Matchanalyse: Was passiert nach dem ersten Gegentor?
Das ist für uns die Schlüsselfrage.
Der HSV wird vermutlich mit viel Energie beginnen. Das Publikum dürfte die Mannschaft trotz aller Enttäuschung zunächst nach vorne treiben. Gelingt Hamburg das erste Saisontor und womöglich sogar die Führung, könnte sich eine neue Dynamik entwickeln.
Fällt dagegen Kölns 1:0, wird es für die Gastgeber mental extrem schwierig. Nach den vergangenen beiden 0:5-Niederlagen dürfte die Verunsicherung sofort wieder spürbar sein. Genau deshalb gefällt uns der Auswärtssieg zu einer Quote von rund 2,60 besser als eine klassische Torwette.
Der Markt behandelt dieses Spiel beinahe wie ein 50:50-Duell. Nach zwölf Gegentoren und null eigenen Treffern sehen wir die Kräfteverhältnisse etwas klarer zugunsten der Gäste.
Wett-Tipp und Prognose: Köln verschärft die HSV-Krise
Köln ist weit davon entfernt, derzeit eine Spitzenmannschaft zu sein. Für einen Sieg in Hamburg muss das aber auch nicht nötig sein.
Der FC wirkt stabiler, besitzt mehr Selbstvertrauen und hat bereits fünf Bundesligatore erzielt. Beim HSV dagegen reicht derzeit ein negativer Moment, damit die gesamte Ordnung ins Wanken gerät.
- Unser Wett-Tipp: 1. FC Köln gewinnt
- Empfohlene Quote: ca. 2,48
Wir erwarten einen nervösen HSV, der unbedingt ein Erfolgserlebnis erzwingen will. Köln dürfte dadurch Möglichkeiten im Umschaltspiel bekommen. Unser bevorzugtes Ergebnisszenario ist ein 0:2 oder 1:2. Sollte Hamburg tatsächlich auch das vierte Saisonspiel verlieren, dürfte die Diskussion um Merlin Polzin endgültig erheblich an Fahrt aufnehmen.

