So hatte sich Jürgen Klopp seinen Start als Bundestrainer sicherlich nicht vorgestellt. Nach dem späten 1:1 in den Niederlanden folgte am Sonntagabend eine bittere 0:1-Heimniederlage gegen Griechenland. Zwei Spiele, ein Punkt – und vor allem der Auftritt gegen die Griechen war ernüchternd. Deutschland hatte viel Ballbesitz, entwickelte gegen den tiefen Defensivblock aber kaum Tempo, Überraschungsmomente oder zwingende Torchancen.
Bereits am Donnerstag (1. Oktober 2026) wartet in München gegen Serbien die nächste Pflichtaufgabe. Diesmal steigt der Druck deutlich: Der erste Sieg unter Klopp muss langsam her.
Ausgangslage: Deutschland steht bereits unter Zugzwang
Anstoß in der Allianz Arena ist am Donnerstag um 20:45 Uhr. Nach zwei Spieltagen sieht die Tabelle für Deutschland alles andere als komfortabel aus. Griechenland führt mit sechs Punkten, die Niederlande stehen nach dem 2:1 in Serbien bei vier Zählern. Deutschland hat lediglich den Punkt aus Amsterdam gesammelt, Serbien ist nach zwei 1:2-Niederlagen noch ohne Zähler.
Damit treffen zwei Mannschaften aufeinander, die sich eigentlich keinen weiteren Ausrutscher erlauben können.
Die Buchmacher sehen Deutschland trotzdem klar vorne. Der klassische Heimsieg wird teilweise deutlich unter 1,50 gehandelt. Das überrascht angesichts der individuellen Qualität nicht, nach dem schwachen Auftritt gegen Griechenland wirkt ein einfacher Favoritentipp allerdings wenig reizvoll.
Formcheck Deutschland: Viel Ballbesitz, erschreckend wenig Ideen
Das 0:1 gegen Griechenland hat ziemlich deutlich gezeigt, woran Klopp in den kommenden Tagen arbeiten muss.
Deutschland begann kontrolliert und ließ den Ball laufen. Genau darin lag allerdings auch das Problem: Das Passspiel war häufig langsam und vorhersehbar. Die Griechen zogen sich mit nahezu der gesamten Mannschaft tief zurück und machten die Räume rund um den Strafraum eng. Der DFB-Elf fehlten Tempo, Tiefenläufe und überraschende Aktionen, um diesen Block auseinanderzuziehen.
Klopp rotierte gegenüber dem Holland-Spiel gleich auf fünf Positionen. Das erklärt einen Teil der fehlenden Abstimmung, entschuldigt aber nicht alles. Schließlich handelte es sich um ein Pflichtspiel – und Griechenland zeigte, wie teuer fehlende Kreativität bestraft werden kann.

Hinzu kommt, dass Klopps Experimentierphase weitergeht. Für die Spiele gegen Serbien und anschließend erneut Griechenland stößt ein weitgehend neuer Teil seines XXL-Aufgebots zur Mannschaft. Noah Atubolu, Maximilian Mittelstädt, Ridle Baku, Brajan Gruda, Saïd El Mala und Tom Bischof gehören unter anderem dazu. Mit Finn Jeltsch, Felix Keidel, Vitaly Janelt, Mika Baur und Derry Scherhant warten zudem weitere potenzielle Debütanten auf ihre Chance.
Das sorgt für Spannung – garantiert aber erneut keine eingespielten Abläufe.
Formcheck Serbien: Zwei Niederlagen, aber zweimal getroffen
Auch bei Serbien ist der Nations-League-Start misslungen.
Zum Auftakt verlor die Mannschaft zuhause mit 1:2 gegen Griechenland. Drei Tage später folgte erneut im eigenen Stadion ein 1:2 gegen die Niederlande. Damit steht Serbien nach zwei Spieltagen bei null Punkten, hat in beiden Partien aber immerhin selbst getroffen.
Gerade deshalb dürfte der Außenseiter in München wenig Interesse daran haben, Deutschland viele Räume anzubieten.
Das Griechenland-Spiel hat schließlich eine ziemlich offensichtliche Blaupause geliefert: Zentrum schließen, Deutschland zu langen Ballbesitzphasen zwingen und nach Ballgewinnen schnell umschalten. Genau gegen dieses Szenario muss Klopp nun Lösungen finden.
Serbien verfügt zudem über ausreichend körperliche Robustheit, um ein solches Spiel unangenehm zu gestalten. Je länger es 0:0 steht, desto größer dürfte die Nervosität bei Deutschland werden.
Matchanalyse: Erneut Geduld statt Spektakel?
Eigentlich wäre nach der Niederlage gegen Griechenland eine offensive Trotzreaktion denkbar. Genau darauf wollen wir allerdings nicht blind wetten.
Klopp bekommt wieder zahlreiche neue Spieler dazu. Automatismen können innerhalb weniger Trainingstage kaum perfekt funktionieren. Gleichzeitig wird Serbien kaum so naiv sein, Deutschland ein offenes Spiel anzubieten.
Deshalb erwarten wir erneut viel deutschen Ballbesitz und einen Gegner, der zunächst sehr kompakt steht.
Der Unterschied zu Sonntag sollte dennoch sein, dass Deutschland diesmal aggressiver und zielstrebiger agiert. Nach nur einem Punkt aus zwei Spielen ist die Partie inzwischen auch tabellarisch enorm wichtig. Klopp kann weiterhin experimentieren – Ergebnisse braucht er trotzdem.
Interessant wird deshalb die Verbindung aus Favoritensieg und einer eher niedrigen Toranzahl. Für „Deutschland gewinnt & unter 3,5 Tore“ werden am Markt momentan ungefähr Quoten um 2,35 angeboten.
Wett-Tipp und Prognose: Deutschland gewinnt – aber ohne Torfestival
Wir rechnen mit einer Reaktion der DFB-Elf, erwarten aber keineswegs plötzlich ein Offensivfeuerwerk.
Serbien dürfte sich ähnlich wie Griechenland tief positionieren und Deutschland zwingen, Lösungen im engen Raum zu finden. Genau dort hatte die Mannschaft am Sonntag enorme Schwierigkeiten. Gleichzeitig ist der Druck nun groß genug, dass wir Deutschland am Ende trotzdem zutrauen, dieses Spiel auf seine Seite zu ziehen.
- Unser Wett-Tipp: Deutschland gewinnt & unter 3,5 Tore
- Empfohlene Quote: ca. 2,35
Ein deutscher Arbeitssieg passt für uns deutlich besser zum aktuellen Entwicklungsstand als ein deutliches Schützenfest. Klopp muss vor allem dafür sorgen, dass seine Mannschaft schneller, mutiger und variabler in die gefährlichen Räume kommt. Gelingt zumindest ein Schritt in diese Richtung, sollte die individuelle Qualität diesmal für den ersten Sieg seiner Amtszeit reichen.


