Ein Bundesliga-Klub zum Auftakt des DFB-Pokals auswärts bei einem ambitionierten Zweitligisten – es hätte für den 1. FC Union Berlin wahrlich auch leichter kommen können. Am Sonntag (23. August 2026) gastieren die Eisernen um 15:30 Uhr bei Eintracht Braunschweig. Während Union als Bundesligist eigentlich die Favoritenrolle übernehmen sollte, sprechen mehrere Faktoren für einen offenen Pokalfight.
Braunschweig ist furios in die neue Zweitliga-Saison gestartet, verfügt über einen starken Heimvorteil und hat zum Pokalspiel bereits Pflichtspielrhythmus. Union steht dagegen vor dem ersten Pflichtspiel unter Neu-Trainer Mauro Lustrinelli – und die Vorbereitung lief alles andere als überzeugend.
Ausgangslage: Keine leichte Pokalaufgabe für Union
Auf dem Papier sind die Rollen natürlich klar: Union Berlin spielt seit Jahren in der Bundesliga, Braunschweig in der 2. Liga. Doch der DFB-Pokal ist bekanntlich kein Wettbewerb für Papierform. Und die aktuelle Ausgangslage macht das Duell besonders reizvoll.
Eintracht Braunschweig zeigt unter dem neuen Trainer nämlich fußballerisch ein ganz anderes Gesicht als noch im Vorjahr. Zum Auftakt der neuen Zweitliga-Saison zerlegte die Eintracht den 1. FC Magdeburg auswärts mit 6:1 und grüßte damit nach dem ersten Spieltag von der Tabellenspitze. Das Ergebnis war nicht nur aufgrund der Höhe bemerkenswert: Braunschweig präsentierte sich enorm effizient und nutzte die sich bietenden Räume konsequent.
Noch wichtiger für den Pokal: Bis zum Aufeinandertreffen mit Union ist Braunschweig bereits voll im Ligabetrieb angekommen. Die Niedersachsen bestritten vor dem Pokal noch das Heimspiel gegen den VfL Bochum (0:1). Union startet dagegen erst im Pokal in seine Pflichtspielsaison.
Form der Teams: Braunschweig mit Sieg und Niederlage in Liga 2
Viel besser hätte der Saisonstart für Eintracht Braunschweig kaum laufen können. Der 6:1-Erfolg in Magdeburg sorgt nicht nur für drei Punkte, sondern auch für enormes Selbstvertrauen. Gerade im Hinblick auf das Pokalspiel ist das ein Pfund: Die Mannschaft kennt bereits die Intensität von Pflichtspielen und hat Abläufe unter Wettkampfbedingungen eingeübt.
Am 2. Spieltag kassierte Braunschweig zwar eine sehr unglückliche 0:1-Niederlage gegen Bochum, aber das Gefühl bleibt: die Eintracht ist deutlich stärker als letzte Saison.
Dazu kommt der Heimvorteil. Das Eintracht-Stadion dürfte gegen einen Bundesligisten ohnehin bestens gefüllt und stimmungsvoll sein. Für einen Zweitligisten ist eine solche Partie das perfekte Pokalszenario: volle Hütte, kein Druck und die Möglichkeit, gegen einen höherklassigen Gegner für eine Überraschung zu sorgen. Der Klub selbst hat den Vorverkauf aufgrund der großen Nachfrage entsprechend früh organisiert.
Bei Union sieht die Gemengelage wesentlich komplizierter aus. Die Berliner haben zwar eine Reihe von Testspielen absolviert, konnten dabei aber lange nicht überzeugen. Gegen FC Aarau gab es eine 1:2-Niederlage, gegen Dynamo Dresden verlor Union mit 1:2 und gegen Cagliari Calcio reichte es trotz zweier später Treffer nur zu einem 2:2. Damit blieb Union bereits sechs Testspiele in Serie ohne Sieg.
Erst gegen das sportlich eher zweitklassige Aris Limassol aus Zypern gab es dann ein knappes 3:2. Beim letzten Härtetest gegen Ipswich Town kassierte Union dann eine 2:4-Niederlage. Alles in allem keine wirklich gute Testspiel-Reihe der Eisernen.
Union und Lustrinelli: Noch viel Arbeit
Für den neuen Cheftrainer Mauro Lustrinelli ist die Partie in Braunschweig deshalb gleich eine echte Bewährungsprobe. Der Schweizer will Union taktisch neu ausrichten und setzt unter anderem auf eine Viererkette sowie einen offensiveren Ansatz. Die Vorbereitung hat allerdings gezeigt, dass die Umstellung noch nicht reibungslos funktioniert.

Hinzu kommen personelle Fragezeichen. Torhüter Frederik Rönnow fällt weiterhin aus, auch im Angriff gab es zuletzt Ausfälle. Gegen Aris Limassol sollte Lustrinelli seine Mannschaft weiter einspielen und wichtige Erkenntnisse für den Pokal sammeln.
Genau hier könnte der entscheidende Nachteil der Berliner liegen: Union hat zwar die höhere individuelle Qualität, aber die Mannschaft ist unter dem neuen Trainer noch nicht eingespielt.
Taktik: Braunschweig sollte Union früh attackieren
Braunschweig dürfte gut beraten sein, Union nicht einfach den Ball zu überlassen. Die Löwen können mit aggressivem Pressing versuchen, die Berliner in ihrer noch nicht stabilen Spieleröffnung zu Fehlern zu zwingen.
Union dürfte dagegen bemüht sein, die Partie über Ballbesitz zu kontrollieren und mit der neuen offensiveren Ausrichtung mehr Dominanz auszustrahlen. Je länger die Berliner allerdings benötigen, um ins Spiel zu finden, desto stärker dürfte das Stadion die Heimmannschaft tragen.
Für Braunschweig wird entscheidend sein, nach Ballgewinnen schnell umzuschalten. Genau diese Räume könnten gegen eine noch nicht perfekt abgestimmte Union-Defensive besonders interessant werden.
Wettquoten: Union klarer Favorit – aber zu Recht?
Die Wettanbieter sehen trotz aller genannten Faktoren den Bundesligisten deutlich vorne. Bei Interwetten wird der Heimsieg von Braunschweig aktuell mit 4,60, das Remis mit 4,10 und der Auswärtssieg von Union mit 1,67 quotiert.
Das ist nachvollziehbar, denn Union verfügt zweifellos über den individuell stärkeren Kader. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Quote von 1,67 die besonderen Umstände ausreichend berücksichtigt. Bundesligist, ja. Individuell stärker, ebenfalls ja. Aber erstes Pflichtspiel, neuer Trainer, durchwachsene Vorbereitung und ein hochmotivierter Gegner mit bereits einem 6:1-Erfolg im Rücken sprechen nicht gerade für eine risikolose Auswärtswette.
Direkter Vergleich (h2h): Union mit Vorteilen
Der direkte Vergleich fällt zugunsten der Berliner aus. Das letzte Pflichtspielduell liegt allerdings schon einige Jahre zurück. Im September 2017 trennten sich beide Mannschaften in der 2. Bundesliga mit 1:1, nachdem Union zuvor im Mai desselben Jahres in Braunschweig mit 1:3 verloren hatte.
Für die aktuelle Partie besitzt die H2H-Bilanz allerdings nur begrenzte Aussagekraft. Beide Mannschaften haben sich seitdem personell und sportlich erheblich verändert. Aussagekräftiger sind die aktuelle Form, der neue Union-Trainer und der unterschiedliche Vorbereitungsstand.
Wett-Tipp: Braunschweig verliert nicht (Asiatisches Handicap)
Wer an die große Überraschung glaubt, muss nicht zwingend den kompletten Heimsieg spielen. Das asiatische Handicap Braunschweig +1,0 erscheint angesichts der Konstellation deutlich interessanter.
Union ist individuell besser besetzt und kann die Partie selbstverständlich gewinnen. Doch ein Sieg mit zwei oder mehr Toren erscheint deutlich schwieriger. Braunschweig hat bereits gezeigt, dass die Mannschaft offensiv gefährlich ist, geht mit maximalem Selbstvertrauen in die Partie und darf zudem auf den Heimvorteil sowie den Rhythmus aus dem Ligabetrieb bauen.
Für Union ist es dagegen die erste Pflichtspielpartie einer neuen Ära. Die Testspiele waren wenig überzeugend, die Mannschaft befindet sich noch in der taktischen Findungsphase und auch personell gibt es einige Fragezeichen.
Das Handicap bietet zudem einen wichtigen Sicherheitsfaktor: Gewinnt Union lediglich mit einem Tor Unterschied, ist die Wette bei der asiatischen Variante zurückgezahlt.
- Tipp: Eintracht Braunschweig +1,0 (Asian Handicap)
- Quote: 1,85 bis 1,95
- Ergebnis-Prognose: 1:1 nach der regulären Spielzeit
Die große Pokalüberraschung ist damit keineswegs ausgeschlossen. Selbst wenn Union am Ende knapp weiterkommt, spricht einiges dafür, dass die Löwen den Bundesligisten vor eine deutlich größere Aufgabe stellen als es die Quote von 1,67 vermuten lässt.


